Stichsäge statt Lehrbücher

Die Hauptschüler der Drei-Burgen-Schule Felsberg bauen Schaukelstühle

FELSBERG. Wer denkt, dass Schaukelstühle ein Relikt aus Uromas Zeiten sind, der sollte mal in der Drei-Burgen-Schule in Felsberg vorbeikommen. Dort arbeiten 16 Schüler seit Beginn des Schuljahres an eigenen Schaukelstühlen aus Holz. Jeden Montag bauen die Jugendlichen
im Alter von 14 und 15 Jahren an ihren Modellen. Bis Dezember wollen die Schüler insgesamt 25 Schaukelstühle herstellen. „Jeder Schüler baut seinen eigenen Schaukelstuhl und zusätzlich noch weitere für die Leseecke in der Schulbibliothek“, sagt Lehrer und Projektleiter Jonas Klages. Diese können dann von den Besuchern der Bücherei, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist, genutzt werden. In Kleingruppen mit jeweils vier Jugendlichen pro Gruppe lernen die Schüler praxisorientiert Mathematik, Deutsch und technisches Zeichnen anzuwenden. „So verstehen die Mädchen und Jungen viel besser, wieso der Theorieunterricht so wichtig ist“, sagt Jonas Klages. Denn durch eine zum Beispiel falsche Berechnung kann ein Teil des Schaukelstuhls mit einem anderen nicht mehr richtig zusammengesetzt werden, erklärt er.

Zusammen mit Stefan Warlich, dem Schulzweigleiter, unterrichtet Jonas Klages die Jugendlichen. Denn der Haupt- und Realschullehrer absolvierte vor seinem Pädagogikstudium eine Ausbildung zum Tischler. „Was man einmal lernt, vergisst man nicht“, scherzt Klages. So kann er seinen Schülern nicht nur Theorie vermitteln, sondern ihnen auch beim Umgang mit Handmaschinen, wie beispielsweise der Stichsäge helfen. „Den Schaukelstuhl werde ich meiner Oma schenken, damit sie darauf stricken kann“, sagt Schülerin Angelina Tacke. Der berufsorientierte Unterricht im Handwerksbereich ist besonders für die Hauptschüler wichtig, denn im zweiten Schulhalbjahr müssen die Jugendlichen mehrere Praktika absolvieren. „Sie lernen durch das Projekt vor allem, selbstständig Probleme zu lösen. Das kommt anschließend im Praktikum sehr gut an“, sagt Jonas Klages. Für die Jugendlichen sind die anschließenden Praktika in den meist umliegenden Betrieben eine große Chance, sich dort einen späteren Ausbildungsplatz zu sichern. „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit unseren regionalen Betrieben zusammen und sind sehr dankbar, dass sie den Schülern immer wieder eine Chance geben“, sagt Stefan Warlich.

Gesponsert wird das Schulprojekt vom Bildungsfonds Schwalm-Eder mit 1500 Euro, dem Gewinnsparverein der VR-Partnerbank Chattengau-Schwalm-Eder mit 1155 Euro und der Firma Blecher, die das benötigte Material für die Schaukelstühle der Schule zu Sonderkonditionen anbietet. „Ohne Sponsoren ist solch ein Schulprojekt nicht mehr möglich“,
sagt Jonas Klages. Der Wert eines Schaukelstuhls beträgt laut Klages schätzungsweise 120 Euro.

(HNA 01.September)

Mit Begeisterung dabei: von links Stefan Warlich (Schulzweigleiter), Jonas Klages (Projektleiter) und Schülerin Angelina Tacke (15). Foto: Yasmin Höse